Charakterisierung, Schreibwerkstatt, Selbsterkenntnis, Spannung

Helden, Sehnsüchte, Ganoven

In diesem Beitrag geht es um Handlungsaufbau und Charakterisierung.

Ob du es glaubst oder nicht, die großen und kleinen Geschichten der Menschheit sind zu einem erheblichen Teil nach dem gleichen Muster gestrickt:

Protagonist, Antagonist, Handlungshintergrund

Ein Protagonist, der etwas unbedingt will und ein Antagonist, der eben dies nicht will. Das ist eine gute Basis, um die Handlung in Gang zu halten. Wenn der Handlungshintergrund Louisianna zur Zeit des Bürgerkriegs ist, dann dürfte die Protagonistin wohl Scarlet O´Hara sein.  Natürlich kannst du es auch ganz anders machen aber das oben stehende Konzept wird weltweit verstanden und geschätzt.

Und hier einige Thesen für Dich zum Nachdenken.

 

Figuren machen die Geschichte

Es gibt gute Gründe, die Protagonisten zuerst oder zumindest in einer frühen Phase zu entwerfen. Denn:

Der Wille des Protagonisten bringt die Handlung hervor

Die Handlung kommt in Gang, weil der Protagonist handelt. Und damit er handelt, muss er etwas wollen. Und deine Aufgabe als Schriftsteller ist es, dafür zu sorgen, dass er das was er will nicht bekommt! Dabei hilft dir der Antagonist. Merke:

 

Charakterisierung Literatur

Sowohl der Protagonist als auch der Antagonist verfolgen ihre Ziele dabei mit großer Energie! Alles, was du dir in deinem Leben nicht wünschst, must du ihnen zumuten. Lebensgefahr, unfassbare Anstrengungen, Schicksalsschläge, Enttäuschungen,-du musst sie von einer Katastrophe in die Nächste führen.

Und deine Protagonisten? – Sie dürfen von dem was sie wollen nicht ablassen, müssen sich immer wieder aufraffen, auch wenn alles verloren scheint.                                      Dann wird der Leser sie lieben.

Niemals solltest du sie schwarzweiß zeichnen.

Ein guter Protagonist

Beide müssen gute und schlechte Eigenschaften haben. Wo Menschen nur gut oder böse sind, befinden wir uns in der Trivialliteratur, (bei Zorro zum Beispiel oder bei dem jungen Grafen im Adelsroman) oder im Märchen. (Aber Märchen sind auf andere Art tiefsinnig.)

Und noch eine These:

Protagonisten durchlaufen eine Entwicklung

Indem du die innere Entwicklung deines Protagonisten deutlich machst, kannst du dich zur Trivialliteratur abgrenzen.                                                                                             Beispiel: Frodo Beutlin, der Hobbit aus dem Auenland, hat eigentlich nur vor, ein behagliches Leben zu führen. Aber er ist in den Besitz des Ringes geraten und er erkennt, dass es an ihm ist, diesen Ring zu vernichten, damit die Welt nicht in die Hand Saurons, des Bösen fällt. Warum lieben Millionen von Menschen diesen Frodo? – Weil er bereit ist, seine Bestimmung zu erkennen und weil er alles, wirklich alles gibt, um ihr zu folgen. Er will den Ring vernichten

Und hier eine Übung:

Finde 3 Bücher und beschreibe, was der Protagonist will.

Unbedingt muss dem Leser deutlich werden, warum deine Protagonisten das wollen, was sie wollen.

Fangen wir mal mit einem Bösewicht an. Nennen wir ihn „Big Joe Williams.“

Big Joe ist 1,95 m groß, muskelbepackt, über und über tätowiert und mehrfach vorbestraft. Zwei Polizistenmorde, schwere Nötigung, Raubüberfälle, Erpressung, Drogenhandel sowieso. Wer ihm begegnet, hat das Gefühl, sagen wir mal, von einer Planierraupe überrollt zu werden. 10 seiner 35 Jahre hat er im Gefängnis verbracht, meistens im berüchtigten Alcatraz. Warum ist der Mann so? Das musst du deutlich machen. Vorschlag:

Als Joe 4 Jahre alt war, wurde sein Vater vor seinen Augen von einem Polizisten erschossen. Die Tat wurde nie geahndet.

Dies nur als als Einstieg in das Thema „Die große Charakterisierung.“  Ich zeige Dir dort, wie du einen Faszinierenden Charakter anlegst.

So long

Schreibt wild und gefährlich.

Euer Dirk

 

 

3 Gedanken zu „Helden, Sehnsüchte, Ganoven“

  1. Danke, Dirk!

    Mich hat dieser Artikel zum Nachdenken angeregt.

    Sind wir auf dem richtigen Weg?
    Machen wir gerade einen schwerwiegenden handwerklichen Fehler?

    Tobias Leisgang, der http://www.CompanyPirate.de, und ich schreiben derzeit ein Buch darüber, wie ‚The Art of Collaboration‘ nach unserer Erfahrung wirkt. Wir haben festgestellt, dass der größte Widersacher beim ‚Anders-Machen‘ das eigene Selbst ist. Der Antagonist ist daher nicht ‚draußen‘ zu suchen, sondern in uns zu finden.

    Genauer: wir sind Opfer unserer zurückliegenden Erfolge. Sie sind es, die uns den Weg zu den zukünftigen Erfolgen ebnen oder verbauen. Es geht darum, die aus Erfolgen errichtete #EgoBarrier wieder abzureißen. In Asien heißt das Konzept ‚Anfängergeist‘. Und das erfordert Unterstützung.

    Wir platzieren deshalb stereotypische Eigenschaften um unsere Charaktere herum und verknüpfen diese in scheinbar alltäglichen, aber dennoch einigermaßen skurrilen Situationen.
    Und immer kommt es zu einem ‚Twist‘ durch unerwartete Impulse.

    Wir haben uns deshalb mit einem unfertigen Skript und nur mit unseren Fähigkeiten bewaffnet auf die von uns geschaffene Bühne begeben. Dort stehen wir und erwarten die Eingaben des Publikums.

    Wir nennen das ‚Business Improvisations Theater‘.
    Lust bekommen, mitzumachen?

    Noch ist der Eintritt frei:
    http://leanpub.com/aoc

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Alexander,
    zuerst vielen Dank für Deinen Post.
    Dass mein Thema „Creative Writing“ Menschen deines Fachs auf Gedanken bringen kann, freut mich sehr. Aber sind wir nicht alle die Protagonisten unseres eigenen Lebens? Und natürlich sind wir allzu oft auch die Opfer unserer Erfahrungen. Was gestern richtig war, kann heute falsch sein- und umgekehrt.
    Frodo Beutlin, der Hobbit wollte zum Beispiel kein Abenteuer. Er wollte nur ein ruhiges Leben im idyllischen Auenland und damit waren die Hobbits ja auch jahrtausendelang gut gefahren. Aber die Welt drohte von den Mächten des Bösen überrannt zu werden. Die alten Konzepte taugten nichts mehr. Frodo musste begreifen, dass er mit dem Rücken zur Wand stand und dass es seine Bestimmung war, den Ring der Macht zu vernichten.

    Ich frage mich, warum wir so oft warten, bis wir mit dem Rücken zur Wand stehen? Kann man nicht mal auf neuen Wegen gehen, solange die Cash-Cow noch gesund ist?

    Freundlicher Gruß

    Ach ja, euer Buch: Wovon soll es denn handeln? Für welche Zielguppe ist es gedacht? Mit welchem Gewinn soll man es gelesen haben?

    Dirk

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank, Dirk!
      In einem Teilbereich meiner Tätigkeit als Berater und Coach sage ich gern
      „SAP ist wie Mordor. Da geht man nur hin, wenn das Auenland vom Untergang bedroht ist.“
      Das Auenland ist dabei die Webseite, der eCommerce-Shop und die anderen schönen Vorgärten des Untrnehmens.
      Zielgruppe unseres Buches ist jeder, der mit „Zusammenarbeit“ konfrontiert ist.
      Also grob: jeder, der eine Berührung mit „Teamwork“ hat … wobei, viele kennen das gar nicht. Sie tragen zwar die Bezeichnung „Team“, sind aber in der Realität eine Ansammlung skalierter Einzelkämpfer.
      Unser Buch soll all diese kleinen Feinheiten zum Vorschein bringen und die vielen, vielen Missverständnisse der Arbeitswelt ansprechen. Frank und seine Mittstreiter zeigen dann „die Muster des Gelingens“ und wie man aus einer vermeintlich verfahrenen Situation einen Erfolg machen kann – wenn man denn weiß, was als „Erfolg“ im jeweiligen Zusammenhang zu verstehen ist.
      Wir zeigen durch Frank, wie es auch sein könnte.
      Im Anhang wollen wir dann das verwendete Arbeitsmaterial auflisten und beschreiben.

      Gefällt 1 Person

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