Wie du faszinierende Charaktere erschaffst

Kennst du den Menschen, über den du schreibst? Kennst du ihn bis in die letzten Winkel seiner Seele? Weißt du was er will, wovon er träumt, wovor er Angst hat?  Kannst du ihn in jede beliebige Situation bringen und weißt genau wie er reagieren wird, was er auf eine Frage antwortet und was er verschweigt?

Um dahin zu kommen hilft es, deinen Protagonisten in allen unten genannten Aspekten zu beschreiben, um dich letztlich in ihn einzufühlen.

Alles, was man über einen Menschen wissen kann.

Der Name ist für die Charakterisierung wichtig!

Gehe in ein Namensregister. Dort stehen die häufigsten Namen nach Geburtsjahrgängen und für Deutschland sogar unterteilt nach Süd, Nord und West. Falls du den Protagonisten beim Vornamen nennst, halte ihn kurz. Du musst ihn schließlich oft schreiben und der Leser muss ihn oft lesen. Beim Nachnamen darf es dann etwas mehr sein. Und das Geburtsjahr ist wichtig. Spielt im Text beispielsweise der Fall der Mauer eine Rolle? – Dann solltest du überlegen, in welchem Alter dein Protagonist damals war.

Namen zaubern auch eine Atmosphäre.

„Guido Ucks“ käme nicht so gut.

Wie wäre es mit

Dr. Gabriela de Lourdes Contreras Cortez.

Ich habe den Namen aus einem mittelamerikanischen Telefonbuch. Da schwingen Assoziationen, da startet die Phantasie durch und der Anfang einer aufregenden Geschichte liegt  in der Luft…

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Was macht diese faszinierende Frau den Rest der Woche? Bei Gabriela möchtest du gerne mehr erfahren,  was dir bei Udo Ucks vielleicht schwerer gefallen wäre.

Oder wie wäre es mit

Julio Cesar Rivera de la Martinez.

Charakterisierung

Julios Name bringt die Phantasie auf Touren: Julius Cäsar, Diego Rivera (oder Maradona), etwas Adelsflair und einfach der Klang, alles schwingt zusammen, beflügelt Leser und Autor. Da fließen die ersten Zeilen für den Handlungshintergrund nur so dahin.

Beide Charaktere schenke ich Dir. Möchtest Du deren Geschichte weiter schreiben?

Ich werde sie lesen, dir ein Feedback schicken und, wenn du möchtest, auf Schreibrausch veröffentlichen.

Du hast zwei Möglichkeiten: Einfach drauflos schreiben oder zunächst nach den oben gezeigten Kriterien charakterisieren. Vielleicht nimmst du Gabriele und Julio beide in Deine Geschichte. Sollen sie sich am Ende kriegen? Dann überlege dir gewichtige Gründe, die dagegen sprechen. Du kannst als Einstieg auch mit einem Cluster arbeiten.

In meinem Beitrag „Angst vorm leeren Blatt?“ siehst du, wie du mit Hilfe eines Clusters deine Gedanken sammelst und einen Anfang findest: https://wordpress.com/post/schreibrausch.wordpress.com/710

Taufnamen nach Jahreszahl und Region gibt es im Netz

https://www.beliebte-vornamen.de/

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Die Kleidung und alle äußeren Merkmale helfen bei der Charakterisierung.

sind deine Chance zur Charakterisierung. Das Motto: Details, Details, Details.

Es sollte in deinen Geschichten keine „Männer“, keine „Frauen“, keine „Autos“, keine „Jacken“ geben. Stattdessen zum Beispiel:

  • Einen schlanken Mittvierziger, glattrasiert und mit Ferrari-Emblem auf dem schwarzen Leder-Blouson.
  • Eine Achtzehnjährige, die rauchend ihren Kinderwagen schiebt und dabei unablässig auf ihr Handy starrt.
  • Ein VW-Käfer mit Pril-Blümchen und Dachgepäckträger.
  • Ein Sakko aus dickem Harris-Tweed mit Lederknöpfen.

Einfach statt des allgemeinen Ausdrucks den besonderen wählen. Mehr dazu in meinem Beitrag: Der richtige Ausdruck: https://wordpress.com/post/schreibrausch.wordpress.com/684

Sprache und Sprechweise

„Winnetou grüßt seinen Bruder Old Shatterhand.“

„Winnetou hört die Stille“

Das sind beeindruckende Beispiele für die Charakterisierung durch Sprache. Winnetou spricht in der dritten Person von sich und dass er „die Stille hört“ wird heute Esoteriker und Anhänger vom Mythos des „Edlen Wilden“ begeistern. Dieser Mythos geht übrigens auf Rousseau zurück und ist von der Ethnologie längst widerlegt. Er ist von Karl May benutzt worden und hat dazu beigetragen, dass viele sich an Winnetou erinnern.

Der Beruf

mich regt es kolossal auf, wenn ich nicht erfahre, wovon der Protagonist seinen Lebensunterhalt bestreitet und das geht wohl den Meisten so, die nicht reich geboren wurden, die den Großteil ihrer Kraft aufwenden müssen, um ihre materielle Existenz zu sichern.

Gute und schlechte Eigenschaften

Protagonist und Antagonist müssen gute und schlechte Eigenschaften besitzen. Es sei denn du schreibst ein Märchen, da darf die gute Fee nur gut und der Drache nur böse sein. Märchen sind auf andere Art tiefsinnig. Oder du schreibst Trivialliteratur. Da darf es noch die schnurbartzwirbelnden Finsterlinge geben und die selbstlosen Zorros  dürfen ihr Z in den Schnee ritzen und unerkannt verschwinden.

Der Wille des Protagonisten bringt die Handlung hervor!

Übung: Finde drei Bücher/Filme/Fernsehsendungen und beschreibe, was der Protagonist will.

Mittel zur Charakterisierung des Antagonisten

Physische Ticks: Unwillkürliches Blinzeln, ständiges Schniefen, zupfen am Ohrläppchen,
Psychische Tics: Zwanghaftes Wiederholen von Satzenden.
Zwinkert anderen zu, Hustet ständig zwanghaft. Ordnungswahn. Messie.

Verhalten gegenüber Menschen:

Extrem charmant
Übertrieben ehrerbietig
Unhöflich, arrogant, gelangweilt
Schlaffer Händedruck (wie ein Spüllappen)
Schaut an einem vorbei. Lächelt nur mit dem Mund, riecht nach Gyros mit Tsaziki

Namen die übel klingen: Udo Ucks

Protagonisten durchlaufen eine Entwicklung

Sie erkennen  ihre Bestimmung und lernen dass sie ihre Lebensumstände verändern müssen.

Beispiel: Der Hobbit Frodo Beutlin.

Charakterisierung

Frodo ist in den Besitz des Rings der Macht gelangt und begreift in einem langen und schmerzlichen Prozess, dass es an ihm ist, den Ring zu vernichten. Dabei helfen ihm seine Freunde. Das ist die Grundlage für seine Handlungen.

 

Protagonisten und Antagonisten verfolgen ihre Ziele mit Energie und Willensstärke.

Beide dürfen einander in nichts nachstehen, denn wenn einer die Oberhand gewinnt, ist deine Geschichte zu Ende.

Als Schriftsteller darfst du deinem Protagonisten alles zumuten, was du in deinem Leben niemals haben möchtest: Angst, Todesgefahr, Erschöpfung, Hoffnungslosigkeit, Feinde.

Und der Protagonist? – Er darf nicht aufgeben, nie sein Ziel aus den Augen verlieren auch wenn das Schicksal ihn unbarmherzig niederknüppelt. Die Leser werden ihn dafür lieben. Hier am Beispiel von Gabriel Garcia Marquez Roman:

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Fermina heiratet den reichen Arzt Dr. Urbino. Florentino arbeitet sich bis zum Direktor der Dampfschifffahrtsgesellschaft hoch um gesellschaftlich mit Fermina verkehren zu können. Nach Dr. Urbinos Tod im hohen Alter wirbt er wieder um sie und wird schroff abgewiesen. Aber auch dann gibt er nicht auf und schließlich erhört sie ihn doch.

So viel für heute. ich hoffe der Artikel hat dir geholfen.

Übungen

Lass dir eines versichern: Schreiben lernst du nur, indem du es unentwegt tust.

Mein Nächster Beitrag: Übungen auf dem Weg zum Meister.

Wenn du gute Charaktere erschaffen hast, ist der Weg zur guten Geschichte nicht mehr weit. Wie du einen guten Anfang machst erfährst du in meinem Beitrag

Einfache Schritte zum Entwurf

3 Kommentare zu „Wie du faszinierende Charaktere erschaffst

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