Achtsamkeit und der Blick fürs Detail

„Träume nicht der Vergangenheit nach, verliere dich nicht in der Zukunft, dein Leben ist hier und jetzt“

Buddha

Nervt der der nicht mittlerweile in jedem Baumarkt zwischen Gartenzwergen und Grillgeräten?

Hat er uns noch etwas zu sagen?-Ich glaube ja. Mir fallen spontan zwei Themen ein: Details in der Beschreibung und Handlungsaufbau.

Aber der Reihe nach. Was ist eigentlich Achtsamkeit? Jon Kabat Zinn hat versucht, den Begriff aus dem mystischen Geschwätz der Zen-Meister in eine verständliche Sprache zu übersetzen.

Achtsamkeit ist eine Form der Aufmerksamkeit die
absichtsvoll ist,
sich auf den gegenwärtigen Moment bezieht (statt auf die Vergangenheit oder die Zukunft), und
nicht wertend ist.

Definition nach Jon Kabat Zinn

oder noch einfacher

„Die Qualität des Geistes, sich in vollem Umfang dessen gewahr zu sein, was in ihm gegenwärtig ist.“

Und du, lieber Schriftsteller, kannst ja nichts anderes aufschreiben, als das, was gerade in deinem Geist auftaucht! Oder?

Und ich meine, du kannst es umso besser, je tiefer dein Bewusstsein davon ist.

Deshalb, das wird mir eben klar, schreibe ich diesen Artikel.

Und was sagen die anderen Schreiblehrer?

Gutes Schreiben zeichnet sich durch den individuellen Blick fürs Detail aus.

Sol stein, About writing

Wir müssen das Gefühl für unsere Identität wiederfinden…

Julia cameron

Wir sind es nicht gewohnt, unseren eigenen Gedanken und Gefühlen zu trauen und anfangs fühlt es sich an, wie Verrücktwerden.

Julia cameron

All die hinderlichen Glaubenssätze im Stil von „Wer wird sich schon für meine ureigensten Gedanken interessieren.“ – Wir können sie nicht einfach beiseite schieben, denn sie sind Bestandteil unseres Egos, der Software, von der wir gezeichnet sind und von der zu lassen uns oft wie sterben erscheint.- So dumm und sinnlos sie auch sein mag.

Unseren individuellen Blick für das Detail benötigen wir jedoch für Figuren, Handlungen, Schauplätze und er bewahrt uns vor Klischees und Verallgemeinerungen. Eine Figur taucht vor unserem geistigen Auge auf. Wir wenden uns ihr absichtsvoll zu und können sie immer detaillierter entwerfen. Wie das geht, hatte ich beschrieben.


Und dann müssen wir der Versuchung widerstehen, dem Leser all diese Details aufzuzwingen!

Denn der Leser hat seinen eigenen Kopf, seinen eigenen Vorrat an Bildern und Erfahrungen. Besser ist es, zunächst das prägendste Detail auszuwählen.

„Er trug einen schwarzen Lederblouson mit Ferrari-Emblem.“

Nun bauen sich beim Leser Assoziationen auf. Was ist das für ein Typ? Er liebt Motorsport, hat Geld oder tut so als ob, – all seine Erfahrungen eben.

Unsere Aufgabe ist es, die Phantasie des Lesers in Gang zu setzen.

Das geht auch ganz ohne Details. -Wir beschreiben nur das Gefühl:

„Wenn Big Joe Williams einem auf der Straße begegnete, hatte man das Gefühl, von einer Planierraupe überrollt zu werden.“

Dass Big Joe wegen Raubüberfällen, Räuberischer Erpressung und Drogenhandel mehrfach im Knast war, können wir bei Gelegenheit erwähnen. Aber jeder Leser hat sich bereits, angeregt durch die Metapher, den Typen erschaffen, der gerade ihm Angst macht.

„Als Joe vier war, wurde sein Vater vor seinen Augen von einem Polizisten erschossen“, sorgt dann dafür, dass er vom Monster wieder zum Menschen wird. Protagonisten und Antagonisten sollen ja gute und schlechte Eigenschaften haben.

Fragen, oder Anmerkungen, Kritik? – Ich freue mich über Deinen Kommentar!

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Zum Schluss: Es ist schon 11 Uhr morgens. Ich habe die Zeit vergessen. Seit drei Stunden sitze ich und fasse zusammen, was mich beschäftigt. Ich habe vergessen, die Heizung anzustellen und nicht gemerkt, dass ich friere. Mein Handy war aus. Kein Radio, keine Mails.
„Create first“ steht auf einem Schild über meinem Spiegel. Das bedeutet für mich Glück.

Ein Kommentar zu „Achtsamkeit und der Blick fürs Detail

    1. Hallo Alexander, ich habe mal in Euer Buch in „Echtzeit“ reingehört.

      Ihr schreibt ein Sachbuch und über Sachbücher sagt Sol Stein in „About Writing“:

      Erzähltechniken aus der fiktionalen Literatur können auch Sachtexte bereichern. Das gilt für die einzelnen Kapitel und auch für das Gesamtwerk.
      Ihr habt für jeden Monat ein Thema gesetzt.-Das ist gut, um eure Arbeit zu strukturieren. Aber für das Buch könntet ihr überlegen, was die Themen miteinander zu tun haben und wie man sie in eine Reihenfolge bringt, die einen roten Faden und im besten Fall eine Dramaturgie erkennen lässt. Vom Problem zur Lösung, vom Konflikt zur Auflösung.

      LG

      Dirk

      Liken

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