Parallelen zwischen der Pest und Covid-19

Pest+Covid? Können wir die damalige Pestseuche mit Covid-19 vergleichen? Es gibt auffällige Parallelen in Wahrnehmung und Umgang.
Arnold Böcklin, Die Pest; 1876, Tempera auf Tannenholz;

Die Pest ist ein 1947 erschienener Roman von Albert Camus. Erzählt wird die Geschichte der Einwohner der fiktiven Nordalgerischen Hafenstadt Oran, die sich ein Jahr lang gegen die Pest stemmen.

Können wir die damalige Pestseuche mit Covid vergleichen? -ganz bestimmt.

Die Pest war natürlich viel krasser, aber gerade dies hilft uns, klar zu sehen. Es gibt auffällige Parallelen in der Wahrnehmung der Situation und dem Umgang mit ihr. Vom anfänglichen Nicht-Wahrhabenwollen über zögerliche Hygienemaßnahmen, Isolation, bis hin zur regionalen Abriegelung und der Unmöglichkeit angemessener Begräbnisfeiern. Neben der Angst vor dem Tod litten Menschen unter der sozialen Isolation.

Natürlich wurde die Seuche auch damals schon Instrumentalisiert.

Verschwörungstheorien Geschäftemacherei oder Versuche, alles als Göttliche Strafe darzustellen, hatten Konjunktur.

Was eine Pandemie mit Menschen und Gesellschaften macht, verstehen wir besser, wenn wir Albert Camus Buch über die Pest gelesen haben.

Einige Protagonisten:

Er hat durch seinen Beruf unzählige Menschen sterben sehen, und doch konnte er sich nie mit dem Tod abfinden. Auch wenn er weiß, dass er diesen nie vollkommen bezwingen kann, besteht sein kategorischer Imperativ im niemals zu beendenden Kampf gegen das Übel.

  • Paneloux, ein Jesuitenpater, der die Pest als Strafe Gottes darstellt und dessen Predigten eine bedeutende Rolle für einen Großteil der Bevölkerung spielen.

Alle die jedoch, die sich über den Menschen hinaus an etwas gewandt hatten, dass sie sich nicht einmal vorstellen konnten, hatten keine Antwort erhalten.

Camus, Die Pest, RoRoRo, Hamburg, 1950, Seite 177
  • Tarrou: junger Mann und Nachbar Rieux’. Er ist politisch engagiert und gründet eine Schutzgruppe.

Camus zeigt uns, was in den Köpfen der Menschen passiert: Mit genauen Beobachtungen, Empathie und einer Sprache, die niemandem Gewalt antut.

Camus Buch macht unmissverständlich klar, was alleine bei Pandemien hilft:

Die Erkenntnisse der Wissenschaft, klare Regeln und solidarisches Handeln.

Mein Vorschlag: Camus lesen, tief einsteigen statt dauernd Nachrichten und YouTube zu konsumieren.


Und klar: Wenn die Erkenntnisse der Wissenschaft in die Hände von Menschen fallen, die ihren politischen Profit (Politiker) oder ihren wirtschaftlichen Profit (Pharmalobby) daraus schlagen wollen, ist es mit der Wahrheit vorbei.

6 Kommentare zu „Parallelen zwischen der Pest und Covid-19

  1. „Und klar: Wenn die Erkenntnisse der Wissenschaft in die Hände von Menschen fallen, die ihren politischen Profit (Politiker) oder ihren wirtschaftlichen Profit (Pharmalobby) daraus schlagen wollen, ist es mit der Wahrheit vorbei.“

    Lieber Dirk,

    gerade die Erkenntnisse zu Covid, die immer noch nicht in Gänze die Allgemeinheit erreicht haben, zeigen, wie wahr Dein letzter Satz ist. Denn Wissenschaft ist Streit (unter Menschen), der bei Covid nicht zugelassen wurde. Noch immer sind die Kritiker der ersten Stunde, die mit ihrer Einschätzung richtig(er) lagen, von der Aufarbeitung (die diesen Namen nicht verdient) ausgeschlossen.

    Die Regeln waren sehr klar und oft verfassungswidrig, und nie in meiner Lebenszeit wurde der Solidaritätsbegriff missbräuchlicher verwendet.

    „Das Böse“ bei Corona war einmal das Virus selbst und zum anderen die politische Motiviertheit der Maßnahmen (vom RKI-Chef Schaade vor Gericht selbst zugegeben). Das eine also Schicksalsmacht (wenn wir die Labortheorie mal außer Acht lassen), das andere Tyrannei.

    Wenn 2009 nicht die Definition einer pandemischen Lage nationaler Tragweite geändert worden wäre, nach der die WHO zukünftig auf die enorme Anzahl Erkrankter und Verstorbener verzichten wollte, hätten wir Covid nicht als Pandemie wahrgenommen.

    Das Absurde lag für mich im Umgang mit dem Corona-Virus, das mich den schicksalsmächtigen Gegner vom tyrannischen getrennt erleben ließ.

    Covid ist zur unweigerlich todbringenden Krankheit erklärt worden; die Pest war es wirklich. Demnach kann ein Vergleich sehr missverständlich sein und lässt das zu sehr außer Acht, was Deine eingangs zitierte Erkenntnis ist – oder habe ich Dich da missverstanden?

    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Hallo Sabine. Danke für Deine kompetenten Ergänzungen zu meinem Artikel über das Buch von Camus. Weil ich Deine Qualitäten und Deine tiefgründigen Analysen kenne und schätze, glaube ich, dass Du die Dinge richtig siehst. Ich selbst kann und will das nicht beurteilen, denn ich habe seit Anfang der Covid – Zeit keine Nachrichten mehr gehört – der Welt den Rücken gekehrt. Buddha hat gesagt, wir sollen ‚die Tore unserer Sinne hüten‘ und genau das tue ich. Ich hüte mich vor Vergiftungen des Geistes und lasse nur noch an mich ran, was mich erfreut und nährt. Gute Bücher, Meditation, Bewegung in der Natur und Musik machen zum Beispiel.
      Ich wollte Covid nicht zur unweigerlich todbringenden Krankheit erklären. Ich habe es ja selbst gehabt. Dass waren läppische zwei Tage Fieber. Zur Zeit von Camus konnte man die Pest übrigens auch überleben, es gab sogar einen Impfstoff, der aber in den entsprechenden Mengen nicht schnell genug hergestellt werden konnte. Danke nochmals für deine Gedanken.

    2. Ein Hesse-Zitat, das meine weltabgewandte Einstellung besser erklärt als ich es gekonnt habe:
      Der Mensch aber, der einmal den Mut zu sich selber gefühlt und die Stimme seines eigenen Schicksals gehört hat, ach, dem ist an Politik
      nicht das mindeste mehr gelegen, sei sie nun monarchisch oder demokratisch, revolutionär oder konservativ.
      Ihn kümmert anderes. Sein „Eigensinn“ ist wie der tiefe, herrliche, gottgewollte Eigensinn jedes Grashalms auf nichts anderes gerichtet als auf
      sein eigenes Wachstum. „Egoismus“, wenn man will. Allein dieser Egoismus ist ein ganz und gar anderer als der verrufene des Geldsammlers oder des Machtehrgeizigen.

    3. Das sehe ich Alles ziemlich anders.
      1. Viele Maßnahmen waren übertrieben unlogisch, aber ganz ohne hätten wir mehr verfrühte Todesfälle und mehr überlaufene Krankenhäuser gehabt.
      2. Ich sehe keine politische Motiviertheit der Maßnahmen, sondern nur eine Menge unklares Denken.
      3. Kein Mensch hat Covid zur unweigerlich todbringenden Krankheit erklärt.
      4. Dass die WHO die offizielle Definition für Ausrufung einer Pandemie geändert habe, ist ein Mythos.

  2. Die Pest von Camus habe ich das erste Mal als Jugendlicher gelesen – und noch einmal während der Pandemie. Solidarisches Handeln? Schön wär’s gewesen!

Ich freue mich auf deinen Kommentar!