Charakterisieren, -Besser als Gott.

Hubert Jedermann mäht Dienstags von 17:00 Uhr bis 17:25 Uhr den Rasen. Um 17:30 Uhr isst er zu Abend und sieht fern. Und um 22:30 Uhr legt er sich nieder um  morgens, immer mit zwei Tassen Kaffee und zwei Brötchen, in den Tag zu starten. In irgendeinem Büro macht er eine Arbeit, die sogar ihm selbst gleichgültig ist. (Bei einer Umorganisation hatte man ihn mal ganz vergessen.)

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Hier sein gepflegter Gartenzaun

Falls du noch weiterliest, wir sind beim Mittwoch und der unterscheidet sich vom Dienstag dadurch, dass erstens der Rasen schon gemäht ist und zweitens, Hubert am darauffolgenden Donnerstag regelmäßig eine Stunde später zur Arbeit erscheinen muss. Das macht ihn übermütig. Um 22:30 Uhr fühlt er sich also frei, sich seiner Angetrauten geschlechtlich zu nähern, was ihn bis 22:45 Uhr (man soll es nicht übertreiben, schließlich klagt sie ständig über Migräne) in Anspruch nimmt. -Mehr könntest du bei ihrem Therapeuten erfahren.

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Aber ehrlich: Das willst du nicht wissen. Das Wochenende? – Grillen mit den Freunden vom Kegelverein und zwar immer mit den selben, die auch die gleichen sind.

Und auch wenn du es nicht glaubst: Gott in seinem unergründlichen Ratschluss erschafft solche Geschöpfe.

Die Frage, ob man an einen Gott glauben sollte, der solche Geschöpfe erschafft, überlasse ich Dir. Aber einen dringenden Rat möchte hier loswerden:

Überlasse es diesem Gott nicht, deine Protagonisten zu erschaffen!

Das geht besser und hier erfährst Du, wie du es  anstellst.

Sei dir über zwei Dinge im Klaren:

1. Dein Protagonist muss etwas wollen und er muss es um alles in der Welt wollen.

Denn der Wille des Protagonisten bringt die Handlung hervor.

2. Du must glaubhaft vermitteln, warum der Protagonist das will was er will.

Dazu musst Du deinen Protagonisten und ebenso den Antagonisten genau kennen.

Alles, was man über einen Menschen wissen kann.

Wenn du diese Merkmale beschrieben hast, kannst du ihn in jede beliebige Situation bringen und wirst immer wissen, wie er sich darin verhält.

Beispiel:  (Hier wohl eher ein Antagonist)

Udo trat den Vorgartenzaun nieder, stampfte zielstrebig über die Reihe frisch gepflanzter Stiefmütterchen, brach im Vorbeigehen die Stockrosen von der Hauswand und steckte seine halb leere Schale „Pommes rot und weiß“ in den Briefkastenschlitz. Im Weggehen kippte er noch die Mülleimer um.

Du zeigst deinen Prot. bei einer Handlung, die ihn charakterisiert. Sagen musst du jetzt nicht mehr viel. – der Leser hat begriffen.

Und der Antagonist?

Er will das, was der Protagonist will eben genau nicht. Du kannst ihn nach dem obenstehenden Schema entwickeln.

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Dabei gilt: Sympathy for the Devil.

Auch der Böse muss ein paar gute Eigenschaften haben und es muss dem Leser  verständlich sein, warum er so ist wie er ist. (Vielleicht wurde sein Vater ja von einem Polizisten erschossen, der dafür nie zur Rechenschaft gezogen wurde)

Und jetzt eine Übung: Charakterisiere den Mann mit Hut nach der oben gezeigten Tabelle. Du weißt nichts von ihm? – Dann erschaffe ihn- und sei besser als Gott.

Viel Spaß dabei!

Wenn du interessante Charaktere hast, ist der Weg zur packenden Geschichte nich mehr weit. Wie du einen guten Anfang machst, erfährst du in meinem Beitrag:

Einfache Schritte zum Entwurf

 

2 Kommentare zu „Charakterisieren, -Besser als Gott.

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