Buch schreiben, fiction, Kreatives Schreiben, Schreibwerkstatt

Füllwörter: Eigentlich einfach nur unnötig? — Writing Chills

Hallo, Schreiberlinge! Ihr habt sicherlich schon mal von „Füllwörtern“ gehört, oder? Sie tummeln sich in unseren Texten und Geschichten, teilweise, ohne dass wir uns dessen wirklich bewusst sind. Auch ich benutze gerne Füllwörter, ich denke sogar, ziemlich viele. Aber stimmt es wirklich, dass Füllwörter überflüssig sind, unsere Texte sogar verschlechtern? Um eins vorwegzunehmen: die finale […]

über Füllwörter: Eigentlich einfach nur unnötig? — Writing Chills

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Überarbeiten, so wichtig wie das Schreiben

„Der erste Entwurf ist immer Mist“,  so hat es Ernest Hemingway einmal auf den Punkt gebracht. Der alte Mann und das Meer ist in Version 13 veröffentlicht worden. Und da haben noch qualifizierte Verlagslektoren mitgewirkt.

Überarbeitung

Den Schluss von „In einem anderen Land“, sagt er,  habe er wohl 39 mal umgeschrieben.

Plackerei?  Ja. Aber eben auch: Nobelpreis und Pulitzerpreis!

„An seiner Einstellung zur Revision eines Textes, kann man den echten Schriftsteller vom Möchtegernautor unterscheiden,“  schreibt Sol Stein in „About Writing.“

Es gibt viele verständliche Gründe, warum du dich gegen das Umschreiben wehrst.

Einer davon: Du hast keine Ahnung, wie du das angehen sollst.

Hier sind klare Arbeitsschritte.

Ist dein Protagonist interessant genug?

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Sicher hast du  ihn sorgfältig Charakterisiert, sicher hat er gute und schlechte Eigenschaften, sicher hast du herausgearbeitet, was er will und warum er es will. Falls nicht, lies hier:   Wie du faszinierende Charaktere erschaffst

Aber, Hand aufs Herz: Ist dein Protagonist wirklich extrem beeindruckend und unvergesslich oder kannst du ihn noch schärfer zeichnen? So, dass seine Gesellschaft für jeden zu einem unvergesslichen Erlebnis wird.

Gib ihm noch eine Portion Exzentrik.

Zeige ihn bei einer Tätigkeit, die diese Exzentrik zum Ausdruck bringt,           denn Langweiler haben deine Leser schon genug in der Nachbarschaft.


Macht dein Protagonist eine persönliche Veränderung durch?


„Wer nicht bereit ist, sein Leben zu ändern,

dem kann nicht geholfen werden.                                                                                                                                                   Aristoteles

Lass seine Veränderungen dramatisch ausfallen!

Dass die meisten Menschen ihr Leben lang dasselbe tun und damit zu den immergleichen, oft frustrierenden Ergebnissen gelangen, ist traurig genug.

Deinem Leser musst du mehr bieten.

Aus dem Feigling wird ein Kriegsheld, der eine ganze Stadt vor dem Untergang rettet. Der verklemmte Moralist erlebt Sinnesrausch und Gefühlstiefe, der Bankhai wird Mönch, der Mönch ein sozial vorbildlicher Unternehmer, die frustrierte Matrone Marathonläuferin.

Egal was passiert, lass das Pendel extrem weit ausschlagen. Du bist hier nicht in den Niederungen des richtigen Lebens.

Ist dein Antagonist wirklich bösartig?

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AutorInnen gehören meist zu den Gebildeten und verkehren mit Menschen ihres Schlages. Man gibt sich kultiviert. Das Böse ist ein abgespaltener Teil, ein blinder Fleck, etwas, das nicht sein darf und schon gar nicht geäußert oder ausgelebt wird. „Elfenbeinturm“ eben.

Es fehlt an „geeigneten Vorbildern“ aus dem eigenen Lebensbereich. Die Antagonisten haben allenfalls schlechte Manieren, sind neurotisch, gierig, selbstsüchtig, unsensibel oder Muttersöhnchen.

Aber das reicht nicht für Gänsehaut, Faszination und Spannung.

Lass deinen Antagonisten Böse, ordinär, gehässig und zutiefst verworfen sein. Seine Freude sei es, anderen zu schaden.

Und das kann er nur effektiv, wenn er gleichzeitig ein paar einnehmende Eigenschaften hat. Sonst fällt niemand auf ihn rein.

Gibt es einen glaubwürdigen Konflikt zwischen Protagonist und Antagonist?

Die Handlung kommt in Gang, weil der Protagonist etwas will, das der Antagonist eben gerade nicht will. Sonst hätten  sie nichts miteinander zu tun.

Beispiel für einen glaubwürdigen Konflikt:

Frodo, der Hobbit erkennt, dass es an ihm ist, den Ring der Macht zu vernichten. Nur so kann er seine Heimat und die Welt vor Sauron schützen. Sauron hingegen benötigt den Ring um die Welt endgültig seiner Macht zu unterwerfen. Da ist kein Kompromiss möglich. Sie sind „aneinandergekettet.“ Man könnte auch sagen „sie braten im gleichen Ofen.“

Beispiel für einen unglaubwürdigen Konflikt:

Im Thriller gibt es oft einen superintelligenten „Bösen“, der die Welt mit seinen Hightech-Waffen vernichten will. Die Frage wo und wovon er danach leben will, steht unbeantwortet im Raum.

Hat deine Geschichte eine klare Prämisse?

Was eine Prämisse ist, habe ich erklärt:

Die Frage, die du dir stellen solltest, bevor du anfängst zu schreiben.

Hier noch mal in Kürze:

Die Prämisse ist das, was du in deinem Text beweisen willst.

Beispiele:

„Verbrechen lohnt sich“

Wenn dein Protagonist nach seinem Coup glücklich, reich und hochgeachtet in Südamerika lebt, dann ist „Verbrechen lohnt sich“ die Prämisse.

„Verbrechen lohnt sich nicht.“

Das ist die Prämisse aller Krimis. Der Täter wird vom Ermittler überführt und landet im Knast. Dass immer genau dies passiert, gehört zu den Konventionen des Genres und die Leser wollen erstaunlicherweise immer wieder genau das.

Die Prämisse ist keine universelle Wahrheit oder Moral.

Sie beschreibt nur, was in deinem Text passiert.

Auch wenn es weh tut:

Streiche jeden Satz, der die Prämisse nicht unterstützt.

Besser noch: Sei dir deiner Prämisse bewusst, bevor du anfängst zu schreiben.            Oder: Entwickle die Prämisse aus einer Ausgangssituation oder Figur, die du schon hast.  Sonst verfehlst du dein Thema und dafür gab es schon im Deutschunterricht eine Sechs.

Beispiel:

Wenn dein Protagonist sich aus prekären Verhältnissen zur Stellung eines Staatsministers, Unternehmensführers oder erleuchteten Gurus entwickelt, dann lautet deine Prämisse: Wer alles gibt, kann vieles erreichen. Das ist die Prämisse. Dass sein Bruder gleichzeitig das ruhige Leben eines Leuchtturmwärters führt, oder die Schwester ihre dritte Verlobung auflöst, stützt diese Prämisse nicht. So brillant du es auch beschreibst, der Leser wird deinen Text als weitschweifig empfinden.

Ausnahme: Es ist für die Charakterisierung oder die Handlung wirklich relevant.

Es darf nur eine Prämisse geben. 

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„Der alte Mann und das Meer“ handelt von einem Mann, der alles gibt, um einen Fisch zu fangen.  

Punkt Ende. 

Prämisse: „Ein Mann gibt niemals auf“ (Finde ich übrigens unmenschlich.)

In der Geschichte wird nicht bewiesen, dass dieser Kubanische Fischer ein guter Großvater, ein guter Ehemann oder gut im Pokern ist. Es trüge nichts zur Prämisse bei und würde die Geschichte verwässern.

Gehe deinen Text Szene für Szene durch, schreibe kurze Zusammenfassungen und entscheide, ob jede Szene die Prämisse stützt.

Dialoge

Dialoge sind nicht das, was sich Leute so erzählen. Sie sind ein Konzentrat.

Die wichtigste Regel: Du musst den Konflikt zwischen diesen Menschen zutiefst verstanden haben. Er muss sich unausweichlich aus ihrer Charakterisierung ergeben.

Beispiel 1:

„Ich liebe Dich“

„Ich liebe dich ja auch“

Sollte dir jemals jemand diese Antwort geben, dann wirf mit Vasen nach ihm, kratz ihm die Augen aus oder suche gleich das Weite. Das „Ja“ ist eine Giftspritze. Die korrekte Antwort wäre: „Ich liebe dich auch“, -aber das wäre literarisch langweilig.

Was soll dieses ja? – Es deutet den Konflikt an. Das „aber“ steht schon im Raum.  Beziehung ist in der „Ja aber-Phase“, die Liebe nur noch eine theoretische Option.

Beispiel  2:

„Ich liebe Dich“

„Ich dachte mit dem Thema wären wir durch“

Jetzt hast du eine Rakete am Start.

Ein Dialog wird interessant durch den Konflikt.

Mehr zum Thema: Dialoge auf Speed

Falls Du, liebe Leserin, lieber Leser,  bis hier gekommen bist, freue ich mich über deinen Kommentar. Denn das Thema kann man auch anders betrachten. Ich zumindest war empört, als ich zum ersten Mal all diese Regeln kennen lernte.

 

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Die Frage, die du dir stellen solltest, bevor du anfängst zu schreiben.

Was ist die Prämisse deines Textes?.

Die Prämisse ist das, was du in deinem Text beweisen willst.

Beispiele:

Verbrechen lohnt sich

Wenn dein Protagonist nach seinem Coup glücklich, reich und hochgeachtet in Südamerika lebt, dann ist „Verbrechen lohnt sich“ die Prämisse.

Die Prämisse ist also keine universelle Wahrheit oder Moral. Sie bezieht sich nur auf das, was in deinem Text passiert.

Verbrechen lohnt sich nicht

Das ist die Prämisse des Krimis, in dem der Täter vom Ermittler überführt wird und im Knast landet. Dass immer genau dies passiert, gehört zu den Konventionen des Genres und die Leser wollen erstaunlicherweise immer wieder genau das.

Rache ist keine Lösung

Das wäre die Prämisse für Hamlet, der den Mord an seinem Vater rächen will und nur noch mehr Blut vergießt.

Die Liebe siegt am Ende doch

Das ist die Prämisse des Adelsromans, in dem die junge, warmherzige Bürgerliche den Grafen abkriegt, obwohl seine Mutter ihm schon eine Frau seines Standes zugedacht hat. Dass auch in diesem Genre immer die gleichen Dinge passieren, scheint niemanden zu stören. Im Gegenteil, es sind die Konventionen des Genres und die Leser wollen genau das lesen. -Immer wieder.

Die Prämisse ist also

der zentrale Gedanke oder das fundamentale Gefühl, der rote Faden, der Kompass, das Konto, auf das jeder deiner Sätze einzahlt, der Kristallisationspunkt und die Leitplanke deines Plots.

Autobiographisches Schreiben

Die Prämisse bietet das, was viele Menschen in ihrem oft so konfusen Leben vermissen:

  • Dass Leid, und Anstrengungen einen Sinn haben.

  • Dass das Leben mehr ist, als eine Reihe von zufälligen und sinnlosen Episoden.

Die Prämisse erleichtert dir das Schreiben

Wen du dir über die Prämisse klar bist, kannst du jeden Gedanken von vornherein daraufhin untersuchen, ob er die Prämisse stützt. Du segelst mit Kompass.  Unnützes wirst du nicht mehr so oft schreiben und, wenn du es geschrieben hast, leichter erkennen.

Die Prämisse muss glaubhaft und für deine Leserschaft akzeptabel sein

Wenn du beweisen willst, dass ein einzelner Mann eine Armee besiegen kann, dann wirst du Mühe haben. Wenn es dir gelingt, kann es großartig sein. Wenn aber deine Leser keine Akzeptanz für  Kriegshelden haben, werden sie an der Geschichte keinen Gefallen finden.

Eine Geschichte darf nur eine Prämisse haben

Denn sonst kippst du Wasser in den Wein.

Wenn du in einer Geschichte beweisen willst, dass Liebe am Ende immer siegt und dass Verbrechen sich nicht lohnt und dass sich Verbrechen manchmal doch lohnt, (was ja  alles stimmt) dann verwirrst du den Leser und verhinderst seine Identifikation.

Alles klar? Ich freue mich über Deinen Kommentar!

(Schließlich kann man das ja auch ganz anders sehen)

Kreatives Schreiben, Motivation, Selbsterkenntnis

Jeder ein Schriftsteller?

Meine Antwort: Nein

Ich gebe Kurse im Kreativen Schreiben und jeder, wirklich jeder bringt dort seine Gedanken zu Papier, tauscht sich mit Anderen aus, gewinnt Selbsterkenntnis,  lernt achtsamer durch die Welt zu gehen und Sprache besser zu gebrauchen.

Und jeder macht die beglückende Erfahrung, dass er nichts braucht als Schreibblock, Bleistift und ein paar aufgeschlossene Menschen um gemeinsam in die Welt der Phantasie zu reisen.

Aber Schriftsteller? Ich zähle hier einfach mal auf:

  • Warten nicht, bis die Muse sie küsst. Aber die Muse weiß, wo sie zu finden sind:    Zu ganz bestimmten Zeiten am Schreibtisch.
  • Schreiben zur Prime-Time, also zu der Zeit, die andere für ihre wichtigsten Freizeitbeschäftigungen benutzen.
  • Lesen viel, weil sie Bücher lieben und lernen nebenbei eine gute von einer schlechten Stilistik, einen glaubwürdigen von einem unglaubwürdigen Text zu unterscheiden.
  • Und ja, -du hast es schon verstanden, es ist gut mal ein „schlechtes“ Buch zu lesen. Hölzerne Charaktere, unnütze Adverbien und Füllwörter, Achterbahnfahrten durch alle Stilschichten, scheußliche Passivformulierungen und Stereotype Handlungsabläufe schärfen den Blick. Du darfst dich auch hemmungslos amüsieren, wenn die Schreiber ihr Thema nicht kennen und sich deshalb auch nur in Allgemeinplätzen darüber auslassen können.

Kreatives Schreiben Ausdruck

Über den richtigen Ausdruck hatte ich schon geschrieben:      Der richtige Ausdruck?

Und jetzt kommt das Wichtigste:

Lerne, in der Welt deiner Phantasie zu leben.

Verteidige sie gegen jeden Zugriff. Gewöhne dir den Medienkonsum ab. Das Gelaber von Werpapierexperten und Talkmastern, die Kriege, die Produktwerbung. all dies Getöse lenkt dich von deiner Innenwelt ab, verdrängt deine Gedanken und Gefühle oder lässt sie unwichtig erscheinen. Es kann helfen morgens als Erstes, wenn du deinen Träumen noch näher bist als dem, was andere als die „Realität“ bezeichnen zu schreiben. Warum sollen deine geistige Welt, deine Träume weniger wert sein? Tolkien hat über Zwerge mit haarigen Füßen geschrieben…

Die wilden Vögel hinterlassen keine Spuren auf dem Wasser.             Doch sie vergessen niemals ihren Weg.        

Mach also die Türe hinter dir zu und tauche ab in Deine Welt.

Wenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, freue ich mich über einen Kommentar.

Wenn er dir nicht gefallen hat freue ich mich erst Recht.

 

Dialog, Gut und lebendig schreiben, Kreatives Schreiben, Literatur, Professionell schreiben, Schreibwerkstatt

Dialoge auf Speed

Hier zeige ich dir, wie du aus dem langweiligen Geplauder mit dem Autoren ihre Leser vergraulen einen Stoff destillierst, der süchtig macht -Mega-süchtig sogar.

Und es ist ganz einfach.

Akzeptiere, dass ein Dialog nicht das ist, was sich Leute so erzählen. Ein Dialog ist ein Kunstprodukt. Die drei Wichtigsten Zutaten lauten:

1. Konflikt, 2. Konflikt, 3. Konflikt

Hier ein Beispiel, wie du aus „nettem Geplauder“ einen Stoff mit Suchtpotenzial anmischst:

Das nette Geplauder lautet:

Wie geht es dir? Antwort: Sehr gut.  (Leser schläft schon)

Füge der Antwort zwei kleine Worte hinzu und schon hast du eine Rakete am Start:

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Wenn du in einer Partnerschaft lebst, weißt du:           Bei indirekten oder ausweichenden Antworten ist was im Busch!

Legen wir noch eins drauf:

Dialog schreiben

Hier geht schon die Post ab. Der Leser will jetzt wissen, was los ist. Aber das darfst du ihm noch nicht sagen. Lass die beiden noch ein Weilchen aufeinander eindreschen, lass das Telefon klingeln oder jemanden zu Besuch kommen. Der Leser will wissen worin der Konflikt besteht. Er wir weiter lesen, denn du hast ihn am Haken.

Sehr gut auch: Die Gegenfrage.

Wie geht es dir?

Warum fragst du?

oder

Warum fragst gerade du das? 

 

Und hier eine kleine Übung bei der du hemmungslos gemein sein darfst!

Finde die Niederschmetterndste Antwort auf

„Ich liebe Dich.“

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Die korrekte aber langweilige Antwort wäre:

„Ja, ich liebe Dich auch.“

Mit

„Ich liebe dich ja auch“

hast du schon starken Zweifel gesät. Geben wir noch ein Wort hinzu: „Eigentlich“

Viele Beziehungen befinden sich im „eigentlich“- Stadium. Das Gefühl ist zwar weg aber man nährt die Illusion, das es „eigentlich“ noch da ist oder sein könnte.-Irgendwo jedenfalls. Aber Gefühle, die man nicht fühlt, gibt es eben nicht.

„Eigentlich liebe ich Dich ja auch“

Das ist dann schon niederschmetternd. Auf jemanden, der mich „eigentlich“ liebt, könnte ich jedenfalls gut verzichten.

Aber da geht noch viel mehr. Wie wäre es mit:

„Ich dachte mit dem Thema wären wir durch“

Sicher fallen dir noch ein paar niederschmetternde Antworten ein. Mich würden sie brennend interessieren.

Wenn dir der Artikel gefallen hat, freue ich mich über einen Kommentar. Vielleicht mit der allerniederschmetterndsten Antwort.

 

 

 

 

Kreatives Schreiben, Professionell schreiben, Schreiben für Profis, Schreibwerkstatt

Deine eigene Autorenstimme finden! — Wortinseln

Früher hatte ich mir nie Gedanken über meine Autorenstimme gemacht. Aber plötzlich war ich mir unsicher, ob ich überhaupt zum Schreiben befähigt war. Wo war diese Autorenstimme zu finden? Wie sollte ich überhaupt danach suchen?

über Deine eigene Autorenstimme finden! — Wortinseln

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Übungen auf Deinem Weg zum Meister

Um richtig gut zu werden hier die Regeln Eins bis Drei. Sie lauten:

  Du musst sehr viel schreiben!

Hier findest Du gute und  erprobte Schreibübungen. Sie haben aber alle einen Nachteil: Du musst sie machen. -Nur lesen reicht nicht.

Die einfachste Methode um anzufangen ist ein Cluster. Hier siehst Du, wie man Clustert und warum es so hilfreich ist:        Angst vorm leeren Blatt?

Eine Vorschau deiner Schreibaufgaben.

Fange immer mit einem Cluster an und entwickle daraus einen Text. Und wenn du dabei den Eindruck gewinnst, dass deine Gedanken völlig banal und zum Gähnen langweilig sind, lass dir sagen: Das passiert jedem. -Nur weiterschreiben hilft.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ein Menschenauflauf vor der Flüchtlingsunterkunft kann viele Gründe haben. Beim Clustern werden dir welche einfallen. Formuliere sie und vielleicht wird eine kleine Geschichte daraus.

Schreibe sie aus mehreren Erzählperspektiven: Ein kleines Mädchen, das aus dem Fenster der Unterkunft schaut, ein Polizist, Pizzabäcker von gegenüber, Obdachloser, Millionär, Macciavellist, oder die Bundeskanzlerin…

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Vom ewigen Licht bis zur Glühlampe. was sind Deine Ideen?

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Hier zwei Begriffe, die nah beieinander liegen. Sie bringen Spannung.

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Eine Übung in „Perspektive“

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Clustere und schreibe aus Sicht des Steins

 

Beschreibe zuerst ganz genau was du siehst, hörst, riechst sowie deine Körperempfindungen und Gefühle. Wenn du dann noch Metaphern findest, bist du gut unterwegs.

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Beim Schreiben musst du dich immer für eine Perspektive entscheiden. Hier für die des Schiffswracks.

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Clustere und schreibe aus Sicht des Wracks

 

 

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Du darfst auch über Dich schreiben.

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Ein Gegensatzpaar erzeugt Spannung.

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Was fällt dir zu den beiden Süßen ein?-Das Bild ist ziemlich berühmt.

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Und da fällt mir noch ein schön-rätselhaftes Zen-Gedicht ein. Es hat nur zwei Zeilen und reimen tut sich nichts. Aber mir ging es wochenlang nicht aus dem Kopf. Es war mein Koan. Wann kommt deine Erleuchtung?

Die wilden Vögel hinterlassen keine Spuren auf dem Wasser,

doch sie vergessen niemals ihren Weg.

 

 

Über Eure Beiträge als Kommentar freue ich mich und auch über ein „Gefällt mir“.

 

 

 

 

 

 

 

Charakterisierung, Kreatives Schreiben, Schreibwerkstatt, Selbsterkenntnis

Was du dem Leser über deinen Helden unbedingt verraten solltest — Autorentraining

Der Held oder die Heldin in einem Roman ist eine Figur, mit der der Leser sich identifiziert. Er fühlt den Herzschmerz, den Grusel oder die Hoffnungen und Enttäuschungen dieser Person mit. Je besser er deine Schöpfung kennt, umso näher kommt er ihr? Nicht ganz. Wenn dein Held zu exakt beschrieben ist, hast du ihm vielleicht […]

über Was du dem Leser über deinen Helden unbedingt verraten solltest — Autorentraining

Charakterisierung, Motivation, Schreibwerkstatt

Wie du faszinierende Charaktere erschaffst

Kennst du den Menschen, über den du schreibst? Kennst du ihn bis in die letzten Winkel seiner Seele? Weißt du was er will, wovon er träumt, wovor er Angst hat?  Kannst du ihn in jede beliebige Situation bringen und weißt genau wie er reagieren wird, was er auf eine Frage antwortet und was er verschweigt?

Um dahin zu kommen hilft es, ihn in allen unten genannten Aspekten zu beschreiben, um dich letztlich in ihn einzufühlen.

 

Alles, was man über einen Menschen wissen kann.

Der Name ist wichtig!

Gehe in ein Namensregister. Dort stehen die häufigsten Namen nach Geburtsjahrgängen und für Deutschland sogar unterteilt nach Süd, Nord und West. Falls du den Protagonisten beim Vornamen nennst, halte ihn kurz. Du musst ihn schließlich oft schreiben und der Leser muss ihn oft lesen. Beim Nachnamen darf es dann etwas mehr sein. Und das Geburtsjahr ist wichtig. Spielt im Text beispielsweise der Fall der Mauer eine Rolle? – Dann solltest du überlegen, in welchem Alter dein Protagonist damals war.

Namen zaubern auch eine Atmosphäre.

„Guido Ucks“ käme nicht so gut.

Wie wäre es mit

Dr. Gabriela de Lourdes Contreras Cortez.

Ich habe den Namen aus einem mittelamerikanischen Telefonbuch. Da schwingen Assoziationen, da startet die Phantasie durch und der Anfang einer aufregenden Geschichte liegt  in der Luft…

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Was macht diese faszinierende Frau den Rest der Woche? Bei Gabriela möchtest du gerne mehr erfahren,  was dir bei Udo Ucks vielleicht schwerer gefallen wäre.

Oder wie wäre es mit

Julio Cesar Rivera de la Martinez.

Charakterisierung

Julios Name bringt die Phantasie auf Touren: Julius Cäsar, Diego Rivera (oder Maradona), etwas Adelsflair und einfach der Klang, alles schwingt zusammen, beflügelt Leser und Autor. Da fließen die ersten Zeilen für den Handlungshintergrund nur so dahin.

Beide Charaktere schenke ich Dir. Möchtest Du deren Geschichte weiter schreiben?

Ich werde sie lesen, dir ein Feedback schicken und, wenn du möchtest, auf Schreibrausch veröffentlichen.

Du hast zwei Möglichkeiten: Einfach drauflos schreiben oder zunächst nach den oben gezeigten Kriterien charakterisieren. Vielleicht nimmst du Gabriele und Julio beide in Deine Geschichte. Sollen sie sich am Ende kriegen? Dann überlege dir gewichtige Gründe, die dagegen sprechen. Du kannst als Einstieg auch mit einem Cluster arbeiten.

In meinem Beitrag „Angst vorm leeren Blatt?“ siehst du, wie du mit Hilfe eines Clusters deine Gedanken sammelst und einen Anfang findest: https://wordpress.com/post/schreibrausch.wordpress.com/710

Taufnamen nach Jahreszahl und Region gibt es im Netz

https://www.beliebte-vornamen.de/

 

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Die Kleidung und alle äußeren Merkmale

sind deine Chance zur Charakterisierung. Das Motto: Details, Details, Details.

Es sollte in deinen Geschichten keine „Männer“, keine „Frauen“, keine „Autos“, keine „Jacken“ geben. Stattdessen zum Beispiel:

  • Einen schlanken Mittvierziger, glattrasiert und mit Ferrari-Emblem auf dem schwarzen Leder-Blouson.
  • Eine Achtzehnjährige, die rauchend ihren Kinderwagen schiebt und dabei unablässig auf ihr Handy starrt.
  • Ein VW-Käfer mit Pril-Blümchen und Dachgepäckträger.
  • Ein Sakko aus dickem Harris-Tweed mit Lederknöpfen.

Einfach statt des allgemeinen Ausdrucks den besonderen wählen. Mehr dazu in meinem Beitrag: Der richtige Ausdruck: https://wordpress.com/post/schreibrausch.wordpress.com/684

 

Sprache und Sprechweise

„Winnetou grüßt seinen Bruder Old Shatterhand.“

„Winnetou hört die Stille“

Das sind beeindruckende Beispiele für die Charakterisierung durch Sprache. Winnetou spricht in der dritten Person von sich und dass er „die Stille hört“ wird heute Esoteriker und Anhänger vom Mythos des „Edlen Wilden“ begeistern. Dieser Mythos geht übrigens auf Rousseau zurück und ist von der Ethnologie längst widerlegt. Er ist von Karl May benutzt worden und hat dazu beigetragen, dass viele sich an Winnetou erinnern.

Der Beruf

mich regt es kolossal auf, wenn ich nicht erfahre, wovon der Protagonist seinen Lebensunterhalt bestreitet und das geht wohl den Meisten so, die nicht reich geboren wurden, die den Großteil ihrer Kraft aufwenden müssen, um ihre materielle Existenz zu sichern.

Gute und schlechte Eigenschaften

Protagonist und Antagonist müssen gute und schlechte Eigenschaften besitzen. Es sei denn du schreibst ein Märchen, da darf die gute Fee nur gut und der Drache nur böse sein. Märchen sind auf andere Art tiefsinnig. Oder du schreibst Trivialliteratur. Da darf es noch die schnurbartzwirbelnden Finsterlinge geben und die selbstlosen Zorros  dürfen ihr Z in den Schnee ritzen und unerkannt verschwinden.

Der Wille des Protagonisten bringt die Handlung hervor!

Übung: Finde drei Bücher/Filme/Fernsehsendungen und beschreibe, was der Protagonist will.

Mittel zur Charakterisierung des Antagonisten

Physische Ticks: Unwillkürliches Blinzeln, ständiges Schniefen, zupfen am Ohrläppchen,
Psychische Tics: Zwanghaftes Wiederholen von Satzenden.
Zwinkert anderen zu, Hustet ständig zwanghaft. Ordnungswahn. Messie.

Verhalten gegenüber Menschen:

Extrem charmant
Übertrieben ehrerbietig
Unhöflich, arrogant, gelangweilt
Schlaffer Händedruck (wie ein Spüllappen)
Schaut an einem vorbei. Lächelt nur mit dem Mund, riecht nach Gyros mit Tsaziki

Namen die übel klingen: Udo Ucks

Protagonisten durchlaufen eine Entwicklung

Sie erkennen  ihre Bestimmung und lernen dass sie ihre Lebensumstände verändern müssen.

Beispiel: Der Hobbit Frodo Beutlin.

Charakterisierung

Frodo ist in den Besitz des Rings der Macht gelangt und begreift in einem langen und schmerzlichen Prozess, dass es an ihm ist, den Ring zu vernichten. Dabei helfen ihm seine Freunde. Das ist die Grundlage für seine Handlungen.

Protagonisten und Antagonisten verfolgen ihre Ziele mit Energie und Willensstärke.

Beide dürfen einander in nichts nachstehen, denn wenn einer die Oberhand gewinnt, ist deine Geschichte zu Ende.

Als Schriftsteller darfst du deinem Protagonisten alles zumuten, was du in deinem Leben niemals haben möchtest: Angst, Todesgefahr, Erschöpfung, Hoffnungslosigkeit, Feinde.

Und der Protagonist? – Er darf nicht aufgeben, nie sein Ziel aus den Augen verlieren auch wenn das Schicksal ihn unbarmherzig niederknüppelt. Die Leser werden ihn dafür lieben. Hier am Beispiel von Gabriel Garcia Marquez Roman:

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Fermina heiratet den reichen Arzt Dr. Urbino. Florentino arbeitet sich bis zum Direktor der Dampfschifffahrtsgesellschaft hoch um gesellschaftlich mit Fermina verkehren zu können. Nach Dr. Urbinos Tod im hohen Alter wirbt er wieder um sie und wird schroff abgewiesen. Aber auch dann gibt er nicht auf und schließlich erhört sie ihn doch.

So viel für heute. ich hoffe der Artikel hat dir geholfen.

Übungen

Lass dir eines versichern: Schreiben lernst du nur, indem du es unentwegt tust.

Mein Nächster Beitrag: Übungen auf dem Weg zum Meister.

Wenn du gute Charaktere erschaffen hast, ist der Weg zur guten Geschichte nicht mehr weit. Wie du einen guten Anfang machst erfährst du in meinem Beitrag

Einfache Schritte zum Entwurf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Charakterisierung, Kreatives Schreiben, Motivation, Schreibwerkstatt

Besser als Gott

Hubert Jedermann mäht Dienstags von 17:00 Uhr bis 17:25 Uhr den Rasen. Um 17:30 Uhr isst er zu Abend und sieht fern. Und um 22:30 Uhr legt er sich nieder um  morgens, immer mit zwei Tassen Kaffee und zwei Brötchen, in den Tag zu starten. In irgendeinem Büro macht er eine Arbeit, die sogar ihm selbst gleichgültig ist. (Bei einer Umorganisation hatte man ihn mal ganz vergessen.)

Charakterisierung
Hier sein gepflegter Gartenzaun

Falls du noch weiterliest, wir sind beim Mittwoch und der unterscheidet sich vom Dienstag dadurch, dass erstens der Rasen schon gemäht ist und zweitens, Hubert am darauffolgenden Donnerstag regelmäßig eine Stunde später zur Arbeit erscheinen muss. Das macht ihn übermütig. Um 22:30 Uhr fühlt er sich also frei, sich seiner Angetrauten geschlechtlich zu nähern, was ihn bis 22:45 Uhr (man soll es nicht übertreiben, schließlich klagt sie ständig über Migräne) in Anspruch nimmt. -Mehr könntest du bei ihrem Therapeuten erfahren.

Charakterisierung

aber ehrlich: Das willst du nicht wissen. Das Wochenende? – Grillen mit den Freunden vom Kegelverein und zwar immer mit den selben, die auch die gleichen sind.

Und auch wenn du es nicht glaubst: Gott in seinem unergründlichen Ratschluss erschafft solche Geschöpfe.

Die Frage, ob man an einen Gott glauben sollte, der solche Geschöpfe erschafft, überlasse ich Dir aber einen dringenden Rat möchte hier loswerden:

Überlasse es diesem Gott nicht, deine Protagonisten zu erschaffen!

Das geht besser und hier erfährst Du, wie du es  anstellst.

Sei dir über zwei Dinge im Klaren:

1. Dein Protagonist muss etwas wollen und er muss es um alles in der Welt wollen.

Denn der Wille des Protagonisten bringt die Handlung hervor.

2. Du must glaubhaft vermitteln, warum der Protagonist das will was er will.

Dazu musst Du deinen Protagonisten und ebenso den Antagonisten genau kennen.

Alles, was man über einen Menschen wissen kann.

Wenn du diese Merkmale beschrieben hast, kannst du ihn in jede beliebige Situation bringen und wirst immer wissen, wie er sich darin verhält.

Beispiel:  (Hier wohl eher ein Antagonist)

Udo trat den Vorgartenzaun nieder, stampfte zielstrebig über die Reihe frisch gepflanzter Stiefmütterchen, brach im Vorbeigehen die Stockrosen von der Hauswand und steckte seine halb leere Schale „Pommes rot und weiß“ in den Briefkastenschlitz. Im Weggehen kippte er noch die Mülleimer um.

Du zeigst deinen Prot. bei einer Handlung, die ihn charakterisiert. Sagen musst du jetzt nicht mehr viel. – der Leser hat begriffen.

Und der Antagonist?

Er will das, was der Protagonist will eben genau nicht. Du kannst ihn nach dem obenstehenden Schema entwickeln.

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Dabei gilt: Sympathy for the Devil.

Auch der Böse muss ein paar gute Eigenschaften haben und es muss dem Leser  verständlich sein, warum er so ist wie er ist. (Vielleicht wurde sein Vater ja von einem Polizisten erschossen, der dafür nie zur Rechenschaft gezogen wurde)

Und jetzt eine Übung: Charakterisiere den Mann mit Hut nach der oben gezeigten Tabelle. Du weißt nichts von ihm? – Dann erschaffe ihn- und sei besser als Gott.

Viel Spaß dabei!

Wenn du interessante Charaktere hast, ist der Weg zur packenden Geschichte nich mehr weit. Wie du einen guten Anfang machst, erfährst du in meinem Beitrag:

Einfache Schritte zum Entwurf