Rock’n Roll is‘ was für Schwule

Mein Freund Tom und ich treiben es schon mal zusammen, meistens mit alten Rock’n Roll Songs von Westernhagen.
Wenn du uns sehen würdest – Verstärker auf bis die Sicherungen glühen, scheppernder Groove, ein wildgewordenes Känguru an der Gitarre, und Tom, der alles raus lässt, schreit, nuschelt, stöhnt. Zwei Besessene, die eine Hölle entfachen und damit in den Himmel auffahren:

’Mit 18 rannt‘ ich in Düsseldorf rum, war Sänger in ’ner Rock’n Roll – Band‘ …


Mein Lieblingssatz, bei dem ich immer ein paar kleine Freudentränchen verdrücke:


Meine Mutter – schwer Bambule – Rock’n Roll is‘ was für Schwule.


Wie wunderbar inkorrekt, ironisch und grammatikfern.

Kam der Westernhagen gerade aus dem Alfa-bettisierungskurs oder was? Keineswegs: Der hatte klassische Gesangsausbildung und als Söhnchen eines bekannten Schauspielers und Medienprofi wird er der hochdeutschen Sprache wohl mächtig gewesen sein – ist er das ja wohl immer noch. Hallo Marius!


‚Ich sing‘ den Blues und Du machst die Wäsche,‘


textete er in der Hochzeit des Feminismus und der medialen Ausgewogenheit. Die Bauchschmerzen der Programmverantwortlichen waren kalkuliert.

Ergebnis: 12,1 Millionen verkaufter Tonträger.

Erfolgsrezept: Inkorrekt, selbstironisch, lakonisch.
Warum dieser Erfolg?


Weil es immer schon zu viele Texte gibt, die so unmenschlich-übermenschlich klingen, wie Blähungen von zwei Litern moralinsaurer Dickmilch.


Weil die Freiheit der Meinungsäußerung in unserem Land zunehmend falsch verstanden wird,


von den totenäugigen Reitern der sterilen Correctness auf ihren blutarmen, hochbeinigen Kleppern

ebenso wie


von den Hetzern, die Verleumdung und Beleidigung mit Argumentation verwechseln.


Mein Tipp für Dich: Schreib subjektiv, schreib wild, schreib gefährlich. Du hast nicht nur ein Recht auf Deine eigene und ganz subjektive Sichtweise, sie ist sogar ausdrücklich erwünscht – in der Demokratie sowieso und beim kreativen Schreiben erst Recht. Da ist sie sogar der Pfeffer im SEO – gestylten Buchstabensalat.


Ich schreibe für Dich und für alle auf dem Weg. 

Was ich mir wünsche: Feedback.
Wo hängst Du fest, was treibt Dich um, wo brauchst Du vielleicht Unterstützung? Ich antworte immer. Und, als kleines Geschenk schicke ich Dir eine Zusammenfassung meines Leitfadens für gute Newsletter als übersichtliche Mindmap.
Bis dahin: Schreib wild! Schreib gefährlich!


Grüße von D.H. Ludwig, dem Sinnfinder von Schreibrausch


www.schreibrausch.com

7 Kommentare zu „Rock’n Roll is‘ was für Schwule

  1. „von den totenäugigen Reitern der sterilen Correctness auf ihren blutarmen, hochbeinigen Kleppern“
    Respekt, da hast du aber voll reingegriffen in die Gefühlskiste. Super!

    Ich hab langsam auch die Nase voll von der Diskussion, was man heute noch sagen (bzw. schreiben) darf. Ich will selbst entscheiden, was ich schreibe und will mich nicht nach irgendwelchen Moralaposteln richten.

    Indianer, zum Beispiel. Weil das meine Kindheitshelden waren.
    So.
    Hoffentlich trifft mich jetzt nicht der Zensurblitz.

    Danke, dass du mich wieder mal daran erinnerst, wild zu schreiben. Das vergisst man so leicht
    Viele Grüße
    Marco

    1. Hallo Marco, die „totenäugigen Reitern der sterilen Correctness auf ihren blutarmen, hochbeinigen Kleppern“ sind aber eine Übertreibung. So viele Adjektive soll man eigentlich nicht schreiben, eher das eine, richtige. Aber wenn die Klepper dann mir mir durchgehen, dann muss alles raus und ich grinse mir einen und meine Leser grinsen und dann bin ich schon zufrieden,

      Erhalte Dir dein Faible für Indianer. Da haben Leute schon für Schlimmeres geschwärmt. Die waren naturverbunden, mutig, tanzfreudig und hatten eine gute CO2-Bilanz. Dass die Naturvölker als ‚edel‘ betrachtet werden, geht auf Rousseau zurück und der Mythos wurde von James F. Cooper und später von Karl May gepflegt. Aber warum nicht. Menschen brauchen Mythen. So long for now. Grüße vom Sinnfinder

  2. Lieber Sinnfinder,
    dir ist es mal wieder gelungen, mit leichter Hand ein heißes Eisen anzupacken. Und echt witzig rüberzubringen. Ich habe mitgegrinst und mehr als das! Dein Text hat mir Spaß gemacht und meine Kreativität beflügelt.

    Wer hat schon Lust auf sterile Correctness?

    Andererseits – mit der Correctness müssten wir uns nicht herumschlagen, wenn es nicht im Vorfeld so viel Ungerechtigkeit, Ausbeutung, Unterdrückung, Diskriminierung und Schlimmeres gegeben hätte, jahrhundertelang. Die Correctness kann das alles nicht wieder gutmachen, ich weiß. Aber sie entsteht doch aus dem Versuch heraus, den Menschen, denen in der Vergangenheit so großes Unrecht geschehen ist, ein größtmögliches Maß an Respekt zu zollen.

    Die „politisch korrekte“ Ausdrucksweise erscheint vielen als ein neue Erscheinungsform von Steifheit, Erbsenzählerei und verkrampftem Umgangston. Aber sie entsteht nicht aus dem Nichts, ist keine Neuerfindung, sondern eine Reaktion, die wahrscheinlich not-wendig ist. Die Erbsenzählerei in der Wahl der Worte ist ein Versuch, achtsam zu sein in dem Bereich, in dem sich unser Denken ganz unmittelbar spiegelt, und bildet damit die Grundlage für tiefgreifende Veränderungen. Und ja – das ist oft verkrampft, weil es ganz offensichtlich nicht fließt. Aber wie könnte es denn fließen, wenn wir Automatismen reflektieren und neu gestalten wollen, um einen Kurswechsel anzubahnen? Wie könnte es fließen, wenn wir durch den Sumpf waten?

    Das alles muss ich dir ganz sicher nicht erklären. Und ich gebe dir Recht insofern, dass kreatives Schreiben Mut zum Regelverstoß braucht – einverstanden!

    Die gute Nachricht ist ja, dass diejenigen, die im künstlerischen Bereich provokativ unterwegs sind, letztlich oft dieselbe Stoßrichtung haben wie die „totenäugigen Reiter“. Sie gehen einen anderen Weg, etwa den der grotesken Überspitzung – siehe Westernhagen.

    Die Groteske, der Tabubruch, das sind wirksame Mittel, um die Aufmerksamkeit auf Dinge zu lenken, die wir verändern oder überwinden wollen. Cool, witzig und wirkungsvoll!
    Allerdings gibt es noch eine andere Motivation für den Tabubruch, die du auch erwähnst, und die ich überhaupt nicht cool finde: Die Steigerung der Verkaufs- bzw Klickzahlen … Wenn nur aus dieser Motivation heraus die „letzten“ Tabus aufgespürt werden, mit dem Ziel, aus der Sensationslust Profit zu schlagen, finde ich das eher erbärmlich.

    Danke für deinen anregenden Text!
    Liebe Grüße von der Spurensucherin

    1. Zu „den Menschen, in der Vergangenheit, denen so großes Unrecht geschehen ist“ gehören meine Vorfahren alle. Die Männer als Kanonenfutter im Krieg und Verschleißteile der körperlichen Schwerstarbeit im Dienst der Profitmaximierung. Die Frauen hatten es nicht viel besser. Keine Verhütung, oft starben sie im Kindbett und dazu schwere Arbeit in Haus, Hof und auf dem Feld.
      In der langen Reihe von Hungerleidern, war ich der erste, der eine Chance auf Bildung bekam und ein besseres Leben.

      Aber um diese sozialen Probleme geht es der Correctness doch nicht. Da wird doch ein Konflikt zwischen Männern und Frauen postuliert, den es in unserem Land und in unserer Zeit so garnicht gibt. Ich habe schon vielen Frauen die Frage gestellt: Bist Du schon mal wegen Deines Geschlechts benachteiligt worden? Aber da kam nichts. Es ist doch vielmehr so, dass Mädchen heute mehr Förderung erhalten als Jungen. Nein, die große Kluft in unserem Land besteht nicht zwischen Männern und Frauen, sie besteht zwischen Arm und Reich, zwischen gebildet und ungebildet. Darüber wird aber nicht geredet, das ist das Tabu, vor dem man auf dem Nebenschauplatz „Geschlechtergerechtigkeit“ ablenkt.

      1. Einverstanden, die große Kluft besteht zwischen Arm und Reich sowie zwischen Gebildeten und Ungebildeten. Das sehe ich auch so. Aber wird diese Kluft tabuisiert? Inwiefern denn? Und ausgerechnet von Vertretern der Correctness??? Und dann auch noch als bewusste Ablenkung durch das Thema Geschlechtergerechtigkeit???? Jetzt bin ich echt verwirrt. Vielleicht kannst du mir helfen und mir deine Beobachtungen schildern?

        Dass es in unserem Land keine Ungleichheit zwischen Männern und Frauen gibt, glaube ich nicht. Sorry, aber deine Umfrage scheint mir nicht repräsentativ 😉
        Ich schwinge ungern die Statistik-Keule, lese aber immer wieder, dass Frauen schlechter bezahlt werden als Männer, für die gleiche Arbeit. Ich konnte das persönlich nicht überprüfen, deshalb führe ich dieses Argument ungern an.
        Die Ungleichbehandlung beginnt aber schon in der frühen Kindheit.
        Wenn du bespielsweise ein Mädchen bist, und deine Eltern dir immer wieder Rückmeldung geben, ob du gerade mehr oder weniger hübsch (oder gar „süß“) aussiehst, lernst du, dass diese Äußerlichkeiten von großer Bedeutung sind. Das kann dazu führen, dass du ein Leben lang viel zu viel Zeit und Energie in diese Dinge investierst. Dein Bruder verfügt möglicherweise freier über seine Ressourcen. Das ist ein simples und dazu noch extrem vereinfachtes Beispiel.

        Du hast Recht, Mädchen erhalten heute mehr Förderung als Jungen. Ungleichbehandlung geschieht oft sehr subtil, vor allem wenn sie seit Jahrhunderten in einer Kultur fest verankert ist. Förderung kann meist nur an den oberflächlichen Mechanismen ansetzen und greift nicht sehr in die Tiefe. Wenn Mädchen in ihren Entwicklungspotenzialen eingeschränkt werden, trifft dasselbe wahrscheinlich auch auf Jungen zu, in spiegelbildlicher Umkehrung. Es ist traurig, wenn wir aufgrund angeborener Merkmale auf bestimmte Verhaltensweisen festgelegt oder in bestimmte Richtungen gedrängt werden. Das betrifft Männer ebenso wie Frauen, und längst wird auch auf die Benachteiligung von Jungen in der Kindheit hingewiesen. Aber offensichtlich fällt es vielen Eltern sehr schwer, ihr Verhalten diesbezüglich zu reflektieren.

        Aber als ich von Correctness gegenüber Menschen geschrieben habe, denen systematisch Unrecht zugefügt wurde, ging es mir um Leid durch handfeste Diskriminierung. Das Gender-Thema oder das Elend, das aus Krieg und Armut entsteht, hatte ich dabei nicht im Fokus.

      2. Was für ein schöner, ausführlicher und kluger Kommentar. Das reicht ja für eine kleine Magisterarbeit! , ist
        aber zum Glück besser – viel besser, weil hinter den Worten viele kleine kalte Weihnachtssternchen
        funkeln. Dass von dem wahren Problem Arm/Reich abgelenkt wird, glaube ich schon und dazu werden
        immer wieder neue Säue durch das Dorf getrieben. In der Vergangenheit waren es die Religionen, mit
        denen Menschen verblödet und verängstigt wurden. Vor zwei Jahren sollten wir noch alle am Feinstaub
        aus den Dieselautos sterben, dann kommt Klimawandel dran. Und immer geht der
        ‚Klingelbeutel‘ rum, auch für Menschen mit Durchschnittsrente. (900 € in Deutschland)
        Wenn Du schreibst, dass wir auf Grund angeborener Merkmale auf bestimmte Rollen festgelegt werden,
        dann gebe ich Dir Recht. Das muss aufhören. Dann wird es für Frauen normal sein, gut bezahlte
        Vostandsposten zu haben aber auch im Straßenbau, bei der Müllabfuhr, im Bergwerk oder in der
        Zementfabrik zu arbeiten. Das nehmen bei uns bisher die Männer auf sich. Aber gerade was die gut bezahlten Vorstandsposten angeht kann ich über einen anderen Grundspekulieren, warum Frauen da seltener sind: Vielleicht bewerben sich einfach weniger Frauen weil die Frauen begriffen haben, dass diese Jobs so begehrenswert gar nicht sind: ein Leben, dass aus nichts als Arbeit besteht, keine Zeit für Freundschaften, für Sport oder Mußestunden – welcher vernünftige Mensch könnte sich das wünschen? Vielleicht sind Frauen ja nicht blöd genug um sich das anzutun? Ich weiß es nicht. Aber, und jetzt muss ich Dir noch mal Recht geben: Die Ungleichheichbehandlung und die Festlegung auf Rollenklischees müssen aufhören!

    2. …ach ja die Klickzahlen. Ich verkaufe hier nichts und um die Klickzahlen geht es mir nicht, aber darum, dass Menschen meine Artikel mir Freude und gewinn lesen. Und dass das so ist, äußert sich eben in Klickzahlen und Mails. die mich erreichen. Darüber freue ich mich dann ganz ungeniert. Vor allem dann, wenn ich Widerspruch ernte. Wie von Dir. Meine Blogartikel sind ja keine umfassenden oder objektiven Beschreibungen. Ich verstehe sie als lustvolle Stolpersteine für alle, die den Weg des Konformismus nicht mögen, als kleine Abschußrampen für das Feuerwerk des freien Geistes.

Ich freue mich auf deinen Kommentar!