Unbegabt. [Mit Wilhelm Busch]

Dummheit ist auch eine natürliche Begabung

Wilhelm Busch


Heinrich Christian Wilhelm Busch *1832

war einer der einflussreichsten humoristischen Dichter und Zeichner Deutschlands.

Oft ist das Denken schwer, indes

das Schreiben geht auch ohne es.

Wilhelm Busch

Da wird die moralisch hochgerüstete und totenäugig ernsthafte Fraktion der Cancel-
Kulturisten mich wohl bald mit dem Bannfluch belegen. Die wollen ja schon Huclkeberry Finn umschreiben oder verbieten. Sei’s drum, denn die will ich hier sowieso nicht haben. Lieber sitze ich dann mit Wilhelm Busch und Mark Twain in einem Boot.

Die steirische Schulbehörde untersagte noch 1929 den Verkauf von Max und Moritz an Jugendliche unter achtzehn Jahren (!). Cancel-Culture, damals wie heute. Die Kritik der Spießer tat dem Erfolg keinen Abbruch: Bereits zu Wilhelm Buschs Lebzeiten wurde das Werk in zehn Sprachen übersetzt.

Wie klein das ist, was einer ist,

wenn man’s

an seinem Dünkle misst

W. Busch, für Cancle-Kulturisten

Jeder kann schreiben.

Schreibcoaches

Eine Lüge!

Jeder kann schreiben, sagen die Schreibcoaches, setzen ihren treuesten Dackelblick auf und geben sich so seriös wie Schützenbrüder bei der Fronleichnamsprozession. Aber Leute …

Der Beste muss mitunter lügen;

Zuweilen tut er’s mit Vergnügen

https://beruhmte-zitate.de/autoren/wilhelm-busch/?page=4

hätte Wilhelm Busch dazu gesagt.

Aber es bleibt eine Lüge, so unverschämt wie ‘friedensstiftende Einsätze’ für unsere Bombenteppiche auf arme Länder.

Die Coaches müssen ihre Kurse voll kriegen und außerdem verhindern, dass die Unbegabten sich auch noch die Transmitter mit Stresshormonen blockieren:

Großes Neuronengewitter, jede Menge Donner, aber nirgends ein Blitz, nicht mal ein Fünkchen.

Stattdessen: Allgemeinplätze, öder als der Friedhof von Chicago. Eine fade Melange, ein Resteessen aus Frühstücksfernsehen, Tagesschau und dreiminütigen Youtube-Videos.

Mist rein, Mist raus, nie was Vernünftiges gelesen, nie den Blick nach Innen gewagt und – zu Hilfe! – jetzt wollen sie auch noch schreiben.

‘Jeder kann im Rahmen seiner Möglichkeiten schreiben’,

das wäre der ehrliche Satz gewesen, aber damit zieht man keinen Pantoffelhelden von der Glotze und die Möglichkeiten werden keinem am Maxi – Cosy (kein Affiliate-Link) gesungen. Und, für den Fall, dass die heilige Inquisition der EmpörerInnen noch mitliest: Auch keiner!

Wir können unsere Begabungen fördern, denn

Wir sind, was wir täglich tun.

Aristoteles

Das hat Aristoteles gesagt. Begabung fällt eben nicht so einfach vom Himmel.

Steve Jobs (Der Link ist hier nur aus Gründen der SEO) hat ein Jahrzehnt gearbeitet, bis er der Welt den Personal Computer bescheren konnte,

Dmitri Iwanowitsch Mendelejew Jahrzehnte geforscht, bis er mit dem Periodensystem der Elemente die Grundlage der heutigen Chemie legen konnte.

Hemmingway hat seinen ‘Alten Mann’ unzählige Male überarbeitet, bevor er den Nobelpreis und den Pulitzerpreis erhielt.

Was können wir für unsere Begabungen tun?

Auf die Musen warten jedenfalls nicht, die sind ein launisches Völkchen und kommen allenfalls zu Leuten, die schon schreibend an ihrem Schreibtisch sitzen. ‘Schreibend’, nicht etwa wartend, denn Kreativität bedarf der Übung. Am besten täglich. Keine Zeit?

Wie wäre es, die Zeit, die Sie mit Medienkonsum verbringen, stattdessen Ihren kreativen Beschäftigungen zu widmen?

Gleichgesinnte zu kontaktieren,

ein Schreibseminar zu besuchen?

Gehen Sie mal in sich, denn:

Wer auf den rechten Weg will, muss durchaus durch sich selbst hindurch.

Danke Wilhelm, das hätte mein Zen-Meister nicht besser sagen können 😉

Und: Wer gut schreiben will, muss zu den Narren gehören, die

nach inwendig gucken, wo bekanntermaßen nur spärlich beleuchtet wird

Wieder Wilhelm

Und ein bisschen Disziplin gehört auch dazu, denn:

Gott zieht nur an der Hand, der einen, der Teufel zieht an beiden Beinen 

Wilhelm Busch

…was nicht nur für das kreative Schreiben gilt, sondern für alle

„Thätigkeiten des Blumenkohl-ähnlichen Gehirns, die man Geist zu nennen pflegt

Ihr wisst schon…

Und, damit ich endlich zum Schluss komme:

Dumme Gedanken hat jeder, nur der Weise verschweigt sie

Da hätte ich vielleicht schon früher drauf kommen können.

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7 Kommentare zu „Unbegabt. [Mit Wilhelm Busch]

  1. Hallo Dirk,
    schön, Dich wieder zu lesen!

    “Wie wäre es, die Zeit, die Sie mit Medienkonsum verbringen, stattdessen Ihren kreativen Beschäftigungen zu widmen?”

    “Medienkonsum” ist ja ein weites Feld und ein ebensolcher Begriff. Bei mir steht er zum Beispiel nicht im Widerspruch zu kreativer Beschäftigung; im Gegenteil ist MEIN Medienkonsum ein stetiger Anreiz MEINER Kreativität. (Die Großbuchstaben sollen nur deutlich machen, dass mir klar ist, dass das erstmal nur meine Sichtweise ist.)

    Die co-kreative Beschäftigung mit anderen Menschen und deren Gedanken sind mir im Laufe des Lebens unverzichtbar geworden.

    Liebe Grüße
    Sabine

    1. Hallo Sabine, schön von Dir zu hören, Ich vertrag einfach nicht so viel Input, werde demnächst auch mal wieder für ein paar Tage zum meditieren fahren. – Einfach nur sitzen und sehen, was dann passiert. Da ist jeder jeder anders. In meinem Artikel geht es aber einfach um das Problem “Zeit”. Mir ist mittlerweile immer klarer, dass ich für alles, was ich im Leben tue auf etwas Anderes verzichten muss. In dem Fall ist es der Konflikt zwischen Medienkonsum und eigener kreativer Tätigkeit, und da habe ich mich glasklar entschieden: Meine Zeit gehört meinen kreativen Beschäftigungen! Grüße aus dem Tal.

  2. danke für diesen schönen text. ganz besonders gefallen hat mir dies: Mist rein, Mist raus, nie was Vernünftiges gelesen, nie den Blick nach Innen gewagt und – zu Hilfe! – jetzt wollen sie auch noch schreiben.

    🙂

  3. Oh, schreiben kann WIRKLICH jeder, der in das Alphabet kennt und Worte formulieren kann 😉
    die Frage ist also nicht so sehr OB – sondern vielmehr, WIE GUT …
    Selbst die aktuell noch in den Kinderschuhen steckende KI kann schreiben und hat es (wie auch immer) auf die Liste bei Amazon geschafft …
    Betrachten wir die Machwerke mancher so stellt sich eher die Frage, warum müssen Bücher und Texte für viele als Qualitätskriterium “leicht lesbar” haben?

    Wer schreibt kann ein bestimmtes Publikum erreichen, anderes nicht. Viele mögen einfache Texte, anderen lieber schwere Kost. Wer wagt Worte zu Texten zu formen, der traut sich heutzutage ohnehin schon viel – ABER es ist natürlich auch immer eine Frage des “wen will ich ansprechen”? Wen will ich erreichen und warum will ich schreiben?

    Nicht jeder Text ist gut, viele kannst nehmen und in den Papierkorb werfen weil er so grottig ist. Aber gut. Viele können ja auch z. b. mit Keningar oder auch schon Shakespear nicht so recht, weil doch etwas komplizierter. Wer denkt, allein mit Smileys Texte zu gestalten, mag auch teilweise recht haben – ABER die Tiefe?

    Es ist ein wenig wie einfaches (nennt man das noch immer so?) Unterschichtenfernsehen oder qualititav hochwertige Sendungen?
    Beispielsweise die Serie norwegische “Ragnaröck” die thematisiert, was wäre, wenn die nordischen Götter wieder erscheinen würden – im Vergleich zu einer x-beliebigen Spieleshow?

    Insofern sagen Schreibcoaches sehr wohl die Wahrheit – ABER sie erwähnen nicht, dass Text schreiben nicht gleichbedeutend mit “Text schreiben” ist 😉

    just-my-5-cent 😉

    1. Danke, Rhiannon für Deinen tiefsinnigen Beitrag.
      Die norwegischen „Ragnaröck“ , – sag’ Ihnen, sie mögen wieder erscheinen und die Menschheit vom Frühstücksfernsehen erlösen, vom schnöden Materialismus,
      und auch von dem Weltbild dass nur ein fühl-und lebloses Zusammenspiel von Ursachen und Wirkungen in dem ein kleiner blauer Planet immerzu sinnlos um eine erkaltende Sonne kreist, sehen kann?, – da hätte die Idee von einem göttlichen Willen oder letzten Sinn doch was für sich.

Ich freue mich auf deinen Kommentar!