Schreiben in Zeiten der Corona

Vom Glück des Schreibens

So geht es mir oft. Schon 11 Uhr morgens. Ich habe die Zeit vergessen. Seit drei Stunden sitze ich und fasse zusammen was mich beschäftigt, folge schreibend meinen Gedanken und ringe um die passenden Worte. Kein Radio, keine Mails. Ich habe vergessen, die Heizung anzustellen und nicht gemerkt, dass ich friere. In meiner Kaffeetasse dümpelt einsam ein Rest des heißgeliebten Getränks. Und wo ist eigentlich mein Handy?

Es ist dieser Zustand, den ich für mich mit „auf dem Punkt sein“ bezeichne. Gedanken, Gefühle, Worte und Sätze fließen. Ich muss nichts tun, – rein gar nichts außer mit zu schreiben. Selbsterkenntnis, breitet sich aus, wie süßer Tau. Es gibt nichts Schöneres als dieses „auf dem Punkt sein“ und es endet immer in dem Augenblick, in dem es mir bewusst wird oder ich mich darum bemühe.

Der „Flow“ beim Kreativen Schreiben ist in dem Moment vorbei wo wir wissen, dass wir ihn haben.

Lots Weib

Aber das ging schon Anderen so.

„Lots Weib drehte sich um und erstarrte zur Salzsäule.“

Eigentlich hätte sie nur weiter rennen müssen, auf der Flucht aus ihrer brennenden Heimatstadt. Aber mit dem Rennen alleine konnte sie sich nicht begnügen. Sie hielt an, starrte zurück und er-starrte.


Orpheus stieg in die Unterwelt, um den Gott Hades zu bewegen, ihm Eurydike zurückzugeben. Durch seinen Gesang und das Spiel seiner Lyra betörte er selbst Kerberos, den Höllenhund. So wurde ihm seine Bitte gewährt – jedoch unter der Bedingung, dass er beim Aufstieg in die Oberwelt vorangehen und sich nicht nach Eurydike umschauen dürfe.

Er hätte nur gehen müssen aber er sah sich um und sie verschwand wieder in der Unterwelt.


Schreiben sie regelmäßig.

Wenn Sie regelmäßig schreiben, werden Sie diese Glückszustände kennen lernen. Sie werden Sie anziehen, wie eine verwunschene Insel, die nur Ihnen gehört.

„Create first“ steht auf einem Schild über meinem Badezimmerspiegel. Das ist es, was ich will und brauche.


Ich ziehe die Rollläden hoch und blinzele in den trüben Morgen. Der Regen knallt seit einer Woche immerzu gegen die Scheiben. Da ist er, der Tag und er hat ganz ohne mich angefangen. Ich war weg. – Hin – und Weg, könnte man sagen. Alles, was ich wirklich tun will, ist für heute getan. Jetzt kommen die Nebensachen. Ich werde ihnen mit freundlichem (Des)interesse begegnen. Meine Nachbarn entfachen einen Shitstorm, weil jemand einen Monitor in den Biomüll gesteckt hat. Eine Ministerin will „Problemwölfe“ abschießen lassen (leben diese Tiere nicht in Rudeln?), Sportreporter erregen sich, weil jemand unter halsbrecherischen Verrenkungen mit Hilfe eines Stabes über eine Latte gesprungen ist.(Warum macht man so was?) Und der sogenannte Homo Sapiens gibt mal wieder wilde Drohungen von sich und stellt, unter dem Vorwand irgendjemanden von irgendwas befreien zu wollen, Armeen junger Männer mit gut gewaschenen Gehirnen gegeneinander auf. Die hohlen Phrasen mit denen dies begründet werden soll, sind seit Jahrtausenden zum Erbrechen und gleichen sich auf beiden Seiten. In neuester Zeit sind sie sogar noch verlogener geworden. (Was bitte, wollen wir am Hindukusch?) und jetzt auch noch Corona. Das darf mich nicht gleichgültig lassen. Ich beziehe auf meine Art Stellung, zum Beispiel hier, indem ich einer kreativen Beschäftigung nachgehe, obwohl mir jede Art von Unterhaltung frei Haus zur Verfügung stünde. Ich klinke mich aus, stehe nicht mehr zur Verfügung. Weder Einschalt-und Klickzahlen, noch Umsätze des Einzelhandels kümmern mich hier in meinem kleinen Elfenbeinturm.

Weitere Artikel: Warum schreiben? Vom Glück des Schreibens, Bevor Du anfängst zu schreiben, Angst vorm leeren Blatt? Blog von Rhiannon und von Karmenjurela

Ich schreibe für Schriftsteller, Blogger und Texter, gebe Kurse in Kreativem Schreiben und Webpublishing. Die Themen reichen von der Charakterisierung über Dialoge, Plotten und Überarbeiten bis zu Hilfestellung bei Veröffentlichung, Web-Publishing und SEO. Über Deine Fragen, Nachrichten und Kommentare freue ich mich. Herzlichst, D.H. Ludwig

I write for writers, bloggers and copywriters, give courses in creative writing and web publishing. The topics range from characterization to dialogs, plotting and revising to help with publication, web publishing and SEO. I look forward to your questions, messages and comments. Sincerely, D.H. Ludwig


g5306 (bei denen mit dem Y) .de

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